| Beide Belege tragen den Posener Zensurstempel:
„ Kontrolle der Postabteilung des Kommissariats des obersten Volksrats
in Poznan “, der in der zeit Mai – Juli 1919 in Gebrauch war. Interessant
ist in dem Zusammenhang der Vermerk „ Über Wien“ bzw. Zurück, Verkehr
eingestellt“. Bisher hatte ich zwei weitere Brief mit dem Vermerk
über Warschau – Wien“ gesehen, obwohl alle drei Briefe nach dem
sogenannten West-Deutschland adressiert waren. Was war passiert
?
Dies zeigt eine sehr interessante Verfügung der Reichspost aus
der damaligen Zeit:
Berlin, 30. Mai 1919, Nr. 248.
Der gesamte Post und Telegraphenverkehr mit dem von den Polen besetzten
preußischen Gebiet hat eingestellt werden müssen, weil auf der Strecke
Kreuz – Posen, auf der allein der verkehr mit diesem Gebiet bisher
aufrecht erhalten wurde, bei Miala (Bz. Bromberg) in dessen sich
die Polen gesetzt haben, die Schienen aufgerissen und die Telegraphenleitungen
zerstört worden sind. Postsendungen und Telegramme nach diesem Gebiet
sind daher bis auf weiteres nicht anzunehmen, die unterwegs befindlichen
Sendungen sind zurückzuschicken und an die Absender zurückzugeben.
Bereits am 1. August 1919 wurde folgendes veröffentlicht:
Berlin 1. August 1919
Nach dem von den Polen besetzten Teil der Provinz Posen können wieder
gewöhnliche Briefsendungen jeder Art verschickt werden. Die Sendungen
sind nach den (deutschen) Inlandsgebühren freizumachen. Sie sind
über Kreuz-Posen zu leiten. Das alles galt natürlich für de Sendungen,
die von Deutschland in die von Polen besetzte Provinz Posen gerichtet
waren.
Hinzufügen möchte ich dass der Ort Kreuz damals sich außerhalb
des Aufstandsgebietes befand und nach der Grenzfestlegung mit Polen
ein deutscher Grenzort wurde. Der Ort Mila heißt heute Miały.
So, dagegen Sendungen aus Posen nach Deutschland wurden, wie
man an dem Brief erkennen kann, nicht zurückgegeben, sondern über
Warschau und Wien nach Deutschland befördert. Wie gesagt mir sind
nur drei solche Briefe bisher bekannt geworden.
Der zweite Dienstbrief wurde vorerst zurück gehalten – im Süden
nach Breslau soll eine kurze Zeit auch eine Unterbrechung gegeben
haben – und dann offensichtlich doch weiterbefördert.
Somit komme ich zum nächsten Kapitel der Zensur in Polen nach
dem 1. Weltkrieg.
Es handelt sich hierbei um die Zensur nach Inkrafttreten des Versailler
Vertrages im Januar 1920.
Der größte Teil von Westpreußen und fast die gesamte Provinz Posen
wurden durch den Versailler Vertrag dem neugegründeten Polen zugesprochen.
Lediglich die westlichen und nordöstlichsten Teile von Westpreußen
wurden verwaltungsmäßig Pommern und Ostpreußen angeschlossen – also
an Preußen. Einige Kreise der Provinz Posen und Westpreußen wurden
1922 zur Provinz Grenzmark Posen – Westpreußen zusammengefasst.
Die Übergabe der zugesprochenen Gebiete an Polen regelte das „Deutsch-Polnische
Abkommen über die militärische Räumung der Abtretungsgebiete und
die Übergabe der Zivilverwaltung “ vom 25. November 1919.
Nach Inkrafttreten des Versailler Vertrages am 10. Januar 1920 wurden
die Gebiete Ende Januar 1920 Zonenweise an Polen übergeben. Für
jeden Tag wurde eine Demarkationslinie zwischen den deutschen und
polnischen Truppen festgelegt. In BROMBERG / BYDGOSZCZ marschierte
die polnische Armee unter General Haller zum Beispiel am 20. Januar
1920 um 10 Uhr ein. In der Wojewodschaft Pomorze (Westpreußen) wurde
in einer Reihe von Städten, ähnlich wie in der ehemaligen Provinz
Posen ein Jahr vorher, die Postzensur eingeführt. Eine Zentrale
Zensurstelle wurde in POZNAN(Posen) eingerichtet. Die Zensurstellen
waren bis zum Frühjahr 1922 tätig.
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