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Vortrag von Stefan Petriuk auf der Mitgliederversammlung
am 15.05.2004
Teil 2: Zivile Postsendungen mit Zensur
Teil 3: Lokale Zensurpost während des Posener
Aufstandes
Wohl kein Land in Europa, hat unmittelbar nach dem Ende des 1. Weltkrieges
soviel territoriale Aufbauschwierigkeiten gehabt, wie das nach
11.Nov.1918 erst
wieder entstandene Polen.
Bekanntlich
verschwand die Republik Polen (die sogenannte 1. Rzeczpospolita – die 1.
Republik) im Jahre 1795 durch die Aufteilung zwischen Preußen, Russland
und Österreich völlig von der europäischen Landkarte, um am 11. November
1918 erneut von Józef Piłsudski ausgerufen zu werden (als die 2. Rzeczpospolita
– als die 2. Republik)
Da mein
Thema „ Die Zensur nach dem 1. Weltkrieg in Polen“ lautet, werde ich nicht
näher auf die geschichtlichen Hintergründe eingehen, obwohl diese meines
Erachtens von großer Bedeutung sind, um einiges zu diesem Thema verstehen
zu können.
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Einen kleinen Ausflug in die Vergangenheit
möchte ich doch begehen und stelle Ihnen hier einen Brief vom 20.
Januar 1863 vor.
Es ist ein Brief aus meiner Sammlung „ Polnische Post bis 1875“.
Francobrief vom 20. Januar 1863 der 1. Gewichtsstufe zu 10 Kopeken,
frankiert mit Polen Nr. 1, dazu ein Aufgabestempel von OPATOW sowie
ein 4-Ringstempel 107, adressiert an die Gräfin Zamojska in Warschau
mit Ankunftsstempel von WARSZAWA 20 / 1 (1863) und 3 P für 3 Uhr
Nachmittags.
Der
Brief wurde mit der Pferdepost auf der Poststrecke von Opatów über
Kurów, Garwolin, Miłosna nach Warschau befördert. Die Orte liegen
alles etwas östlich der Weichsel im Bereich Lublin. Da Polen zu
dieser Zeit unter russischer Okkupation war und der Zar von Russland
gleichzeitig König von Polen war, ernannte sich am 22. Januar 1863
ein polnisches Zentralkomitee der Vorläufigen Volksregierung, als
die legitime Regierung. Zu deren Mitgliedern zählte auch die polnische
Adelsfamilie ZAMOJSKI. Das ist auch der Grund, warum dieser Brief
durch die russische Zensur auf dem Postamt in OPATOW geöffnet und
mit einem Lacksiegelstempel: URZAD POCZTOWY POSREDNI W OPATOWIE
(Vermittlungs-Postamt Opatow) wieder versiegelt wurde. Handschrftlicher
Text: Otworzony przez władzę wojskową w Opatowie (geöffnet durch
(russische) Militärbehörden in Opatow). Es sind bisher nur zwei
Briefe dieser Art bekannt, einer liegt bei Herrn Mikulski in der
Schweiz. Es sind auch die einzigen Zensurbriefe, die auch als solche
zu erkennen sind, die zwischen den Jahren 1807 bis Anfang 1914 aus
dem damaligen Polen überhaupt bekannt sind. |
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| Um das Thema Zensurpost in Polen nach
dem 1. Weltkrieg zu verstehen, muss man zuallererst es nach Gebieten
einteilen, eine Gliederung erstellen, die gleichzeitig den geschlichen
Zeitablauf in Polen nach November 1918 dokumentiert. An dieser Stelle
möchte ich gleich einen ganz großen Dank an Herrn Ardo Vaumund aus
Bremen voraus schicken, der ganz besonders auf diesem Gebiet ganz
große Pionierarbeit geleistet hat und von der ich heute sehr viel
an fachlichen Wissen an Sie weiter geben werde. Wie ich schon erwähnt
habe, ist bei der polnischen Zensurpost, das A und O die Gliederung.
Ohne diese wird jede von uns seine große Schwierigkeit bei der Einsortierung
bzw. Bestimmung der Belege mit Sicherheit bekommen. |
| Anfangen möchte ich mit der Zensurpost
in den südlichen und östlichen Landesteilen, die bedingt durch den
polnisch-ukrainischen Krieg - am 3. März 1919 besetzten die Ukrainer
Lwów - und der bis Ende Mai 1919 dauerte, und polnisch-sowjetischen
Krieg - am 15. Mai begann Polen eine Offensive, um Wilna von den
Sowjets zu befreien – dieser Krieg dauerte mit Unterbrechung bis
zur Unterzeichnung des Waffenstillstandsvertrages am 12.Oktober
1920 in Riga. |
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Man unterscheidet
- nach der Zensur bei der FELDPOST
- und den Zensurstellen für die Zivilpost
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Es gab die Zensurstellen in Bielsko, Cieszyn, Drohobycz, Kołomyja,
Kowel, Kraków, Lwów, Łódź, Przemyśl, Równo, Stryj, Sambor, Sosnowiec,
Stanisławów, Tarnopol und Warszawa.
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Feldpostkarte mit einem Tagesstempel der FRONTOWA
GLOWNA POCZTA POLOWA 1 vom 30. März 1920.
Dieses Feldpostamt war aufgestellt in der Zeit vom 1.2.1919 bis
4.9.1920.
Am 20.3.1920 befand es sich bereits in Warschau. Neben dem Feldpostamtstempel
ist ein Formationsstempel Eskadra Lotnicza L. 1 Poczta Polowa I
(1. Flieger Geschwader – wahrscheinlich in Warschau) abgeschlagen,
womit die Portobefreiung dokumentiert wurde. Außerdem sind zwei
gleiche Cenzurowano – Stempel abgeschlagen. Einmal sogar mit Zensorunterschrift. |
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| Ein Feldpostbrief, mit einem aptierten
Tagesstempel von Lwów vom 13.Oktober 1919, mit einem Wojskowa Cenzura
(Militärzensur, für zivile Post in Lemberg) sowie einem Formationsstempel:
Kommando-Stab des 14. Ulanen Regiment der 1. Schwadron. Es handelt
sich hier um einen gewöhnlichen militärischen Absenderstempel.
An der Stelle wo die Bearbeitungsnummer eingetragen werden musste,
hat ein Offizier in diesem Fall handschriftlich cenzurowano eingetragen.
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